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<oembed><version>1.0</version><provider_name>Arbeitsgemeinschaft der Universit&#xE4;tsverlage</provider_name><provider_url>https://universitaetsverlage.eu</provider_url><author_name>XMLRPC</author_name><author_url>https://universitaetsverlage.eu/author/xmlrpc/</author_url><title>Architektur und Kunst im lyrischen Werk Johannes Bobrowskis - Arbeitsgemeinschaft der Universit&#xE4;tsverlage</title><type>rich</type><width>600</width><height>338</height><html>&lt;blockquote class="wp-embedded-content"&gt;&lt;a href="https://universitaetsverlage.eu/bucher-e-books/titel/architektur-und-kunst-im-lyrischen-werk-johannes-bobrowskis/"&gt;Architektur und Kunst im lyrischen Werk Johannes Bobrowskis&lt;/a&gt;&lt;/blockquote&gt;
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Nachhaltig beeindruckt war Bobrowski insbesondere von der Vorlesung &#x201E;Deutsche Kunst der Goethezeit&#x201C; des Lehrstuhlinhabers Wilhelm Pinder. Trotz eines grundlegenden Einflusses ist indessen zu keinem Zeitpunkt Pinders ideologischer Hintergrund in Bobrowskis Gedichten manifest geworden. Nach der R&#xFC;ckkehr aus sowjetischer Gefangenschaft an Weihnachten 1949 war f&#xFC;r den mittlerweile Zweiunddrei&#xDF;igj&#xE4;hrigen an ein Studium nicht mehr zu denken. Die lebenslange intermediale Auseinandersetzung mit Werken der bildenden Kunst in seinem &#x152;uvre kann indessen als Ausdruck seiner vielf&#xE4;ltigen kulturgeschichtlichen Interessen und Neigungen interpretiert werden. Die Lebensphasen des Dichters korrelieren mit einer motivischen Entwicklung seiner Bildgedichte: Insbesondere half ihm die unantastbare &#xC4;sthetik bedeutender Kunstwerke, das Grauen der letzten Kriegsjahre und die Entbehrungen in sowjetischer Kriegsgefangenschaft zu &#xFC;berwinden. Didaktisch-moralische Zielsetzungen pr&#xE4;gten zun&#xE4;chst die in den Jahren nach seiner Heimkehr entstandenen Gedichte, bevor sich Bobrowski inhaltlich und formal von diesem Gedichttypus zu l&#xF6;sen vermochte und vermehrt Gedichte zu schreiben begann, die kulturgeschichtliche Dimensionen annahmen und historische, mythologische, biblische und religionsphilosophische Themen in epochen&#xFC;bergreifende Zusammenh&#xE4;nge stellten. Die Gedichte &#xFC;ber die K&#xFC;nstler Jawlensky und Calder ber&#xFC;hren gleichzeitig kulturlandschaftliche Aspekte. Im letzten Lebensjahrzehnt interessierte sich Bobrowski zunehmend f&#xFC;r die Kunst des 20. Jahrhunderts, w&#xE4;hrend die moderne Architektur aus seinem Werk ausgeklammert blieb. &#xA0;Architektur bildet eine Leitmotivik in Bobrowskis lyrischem Werk. Die &#xFC;bertragene Bedeutungsebene der in den Gedichten benannten sakralen und profanen Einzelbauten, aber auch der st&#xE4;dtischen und d&#xF6;rflichen Ensembles sowie einzelner Geb&#xE4;udeteile, ver&#xE4;ndert sich mehrfach im Laufe der Jahre. Ausgehend von traditionellen, paargereimten Jugendgedichten in jambischem Versma&#xDF;, in denen architektonische Elemente Teil einer Wahrnehmung bilden, die alles Au&#xDF;er&#xE4;sthetische ausblendet, wandelt sich der Sinngehalt der Sakral- und Profanbauten in Bobrowskis lyrischem Werk ein erstes Mal w&#xE4;hrend den Kriegsjahren in Russland, die der Wehrmachtsangeh&#xF6;rige am Ilmensee verbracht hat. In den damals entstandenen Oden zeugen die architektonischen Relikte von Leid, Tod und Zerst&#xF6;rung. Noch fehlt indessen der sp&#xE4;ter so zentrale Gedanke der Schuld, der erst im R&#xFC;ckblick auf jene Zeit in den Gedichten, die nach der R&#xFC;ckkehr aus der Kriegsgefangenschaft bis zu Bobrowskis fr&#xFC;hem Tod entstanden sind, thematisiert worden ist.Gegen Ende des Kriegs und in den Jahren der Kriegsgefangenschaft besinnt sich Bobrowski erneut auf Heimatthemen, und die Architektur in seinen Gedichten wird zu einem &#xE4;sthetisch &#xFC;berh&#xF6;hten Fluchtpunkt seiner Sehnsucht nach Ostpreu&#xDF;en und dem Memelgebiet. In Kriegsgefangenschaft tritt erstmals der Aspekt des Sublimen in seinen Gedichten auf, und zwar sowohl bezogen auf die Malerei als auch auf die Architektur. Dieser Gedanke wird einerseits nach der R&#xFC;ckkehr nach Berlin in den Gedichten &#xFC;ber die Architektur gotischer Ka-thedralen und das bauliche Erbe des Klassizismus weitergesponnen, doch steht in den damals entstandenen Gedichten das Kulturerbe Europas auch f&#xFC;r historisches Unrecht und eine schwere, weit zur&#xFC;ckreichende Schuld.Von dieser auf den ganzen Kontinent bezogenen Kritik wendet sich Bobrowski in den nachfolgenden Jahren ab und konzentriert sich auf die Schuld der Deutschen gegen&#xFC;ber den V&#xF6;lkern Osteuropas. Damit erh&#xE4;lt auch die Architektur in seinen Gedichten eine neue Bedeu-tung. Die Relikte der Ritterburgen des deutschen Ordens zeugen von der Herrschaft der mittelalterlichen Eroberer und verschmelzen dabei mit der Natur: Das Zeichenhafte der Architektur wird Teil der Landschaft. Im letzten Lebensjahrzehnt entstehen vermehrt Gedichte, die sich auf Parkanlagen und st&#xE4;dtische Gr&#xFC;nr&#xE4;ume beziehen. Der Dichter hat sich nicht nur auf pers&#xF6;nliche Erfahrungen, sondern mitunter auch auf Bildquellen abst&#xFC;tzt, ohne dass er das Original je gesehen h&#xE4;tte. Nur schwer zug&#xE4;nglich sind die Gedichte &#xFC;ber Chagall und Gauguin ohne die Erkenntnis, dass sie sich auf Bildvorlagen in schmalen, popul&#xE4;rwissenschaftlichen B&#xFC;chern beziehen, die Bobrowski jeweils kurz vor der Niederschrift der entsprechenden Gedichte erworben hat. Anders verh&#xE4;lt es sich mit jenen russischen Kirchen, die Eingang in sein lyrisches Werk gefunden haben. Bobrowski hat sie alle selbst im Krieg gesehen, und die meisten scheinen noch heute zu bestehen und k&#xF6;nnen mit einiger Sicherheit identifiziert werden, wozu auch die Briefe des Dichters aus jener Zeit beitragen.</description></oembed>
