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So wird die kollektive Vorstellungskraft &#xFC;ber das Gesch&#xE4;ft mit den Drogen mit Geschichten und Bildern aus Literatur, Film, Musik und Fernsehen gen&#xE4;hrt.Dabei zirkulieren weltweit mediale Darstellungen der mexikanischen Drogenh&#xE4;ndlerin, in welchen weibliche Stereotypen reproduziert und Frauen durch die &#xDC;bertreibungen von den sexuellen Eigenschaften des weiblichen K&#xF6;rpers zu Objekten der Begierde gemacht werden, deren Sch&#xF6;nheit den m&#xE4;nnlichen Drogenh&#xE4;ndlern als Prestige- und Prunkst&#xFC;ck dient. Die Kultur des Drogenhandels schreibt eine unverwechselbare weibliche Sch&#xF6;nheitsnorm vor, welche von den involvierten Frauen akribisch nachgeahmt wird, um dem Ideal m&#xF6;glichst nah zu kommen. In den kulturellen Repr&#xE4;sentationen erscheint die in die narcocultura eingebundene Frau als gewaltt&#xE4;tig und skrupellos, die ihre Sch&#xF6;nheit und Anziehungskraft nutzt, um auf Kosten der verf&#xFC;hrten M&#xE4;nner an Geld und Macht zu gelangen. Au&#xDF;erhalb der Welt des Drogenhandels verursacht dieses hypersexualisierte Frauenbild negative Urteile, Diskriminierung, Misstrauen und Angst.Die Absicht dieser Forschung besteht darin, hinter solche Stereotype zu blicken und nach der Komplexit&#xE4;t der Lebenserfahrungen dieser Frauen zu fragen. Die vorliegende Doktorarbeit untersucht in welcher Weise sich die Lebensumst&#xE4;nde mexikanischer Frauen unter dem Einfluss der narcocultura an der Grenze zu den USA ver&#xE4;ndern. Die Arbeit analysiert insbesondere die Transformationen von K&#xF6;rperlichkeit und Subjektempfinden der Frauen, sowie ihre dadurch beeinflusste Verortung im soziokulturellen Raum des Drogenhandels. Desweiteren wird untersucht, welche Spielr&#xE4;ume der Selbstbehauptung und Selbstbestimmung sich f&#xFC;r Frauen innerhalb der narcocultura ergeben.Die Arbeit wird von den Fragen geleitet, auf welche Art und Weise die Frauen ihre K&#xF6;rper ver&#xE4;ndern, um ein bestimmtes &#xE4;sthetisches Ideal zu erreichen, und welche Bedeutungen diesen Ver&#xE4;nderungen zugeschrieben werden. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den unterschiedlichen Machtdynamiken, die von und durch diese K&#xF6;rper ausgel&#xF6;st wurden, sowohl in den Beziehungen zu M&#xE4;nnern als auch zu anderen Frauen.Die Studie versteht sich als kulturwissenschaftliche Arbeit, geschrieben aus der Perspektive des intersektionalen Feminismus. Die Feldforschung wurde an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, insbesondere in den St&#xE4;dten des mexikanischen Nordwestens Mexicali und Tijuana, sowie im kalifornischen San Diego durchgef&#xFC;hrt. Grenze wird dabei als polysemischer und heterogener Raum unterschiedlichster Bez&#xFC;ge und Deutungsmuster aufgefasst. Hieraus ergibt sich ein Befund &#xE4;u&#xDF;erst vielf&#xE4;ltiger und widerspr&#xFC;chlicher kultureller Ph&#xE4;nomene.Um jene kulturellen Ph&#xE4;nomene zu verstehen, die von der Nordgrenze Mexikos ausgehen, ist das Konzept der transfrontera von Jos&#xE9; Valenzuela Arce (2014) hilfreich. Der Wissenschaftler schl&#xE4;gt vor, grenz&#xFC;berschreitende Gebiete zu verstehen als &#x201C;espacios que se niegan a una sola de las condiciones o los lados que la integran&#x201D; (S. 9). In diesem Sinne beschreibt das Konzept der transfrontera Prozesse der Konnektivit&#xE4;t und Gleichzeitigkeit, die durch die Globalisierung erzeugt werden und die Bedeutung von Staatsterritorium neu definieren. Gleichzeitig beschreibt es aber auch jene Eingrenzungen, welche von Staaten eingesetzt werden, um nationale Narrativen aufrechtzuerhalten, die als &#x201C;referentes organizadores de adscripciones identitarias y culturales&#x201D; (S. 18) Differenz und Ungleichheiten schaffen. Als solches kann eine Grenze weder nur als territoriale Begrenzung oder hierarchisierende Ein- bzw. Ausgrenzung von Personen erkl&#xE4;rt werden, noch kann sie in ihrem vollst&#xE4;ndigen Ausma&#xDF; erfasst werden, wenn wir uns nur auf die Prozesse der kulturellen Hybridisierung konzentrieren, die in diesen R&#xE4;umen stattfinden. Aus diesem Grund beschreibt Valenzuela Grenzen als Zwischenr&#xE4;ume und Zwischenzeiten.&#xA0; Das Konzept der transfronteras hilft zu verstehen, wie sich das Globale und Lokale in semiotischen Systemen &#xFC;berschneiden, aus denen sich das kulturelle Universum des mexikanischen Drogenhandels zusammensetzt, und erkl&#xE4;rt, wie Ausschlussmechanismen und Hierarchien auf der Grundlage von Geschlecht, sozialer Stellung und anderen Merkmalen sozialer Differenzierung strukturiert sind. Letztlich hilft es, jene kulturellen Prozesse zu lokalisieren, die sich in den K&#xF6;rpern der Frauen materialisieren.Des Weiteren erwies sich das Konzept als wichtiges heuristisches Werkzeug. Kultur wird vor diesem Hintergrund verstanden als ein Prozess aus Produktion und Reproduktion symbolischer Modelle: Diese k&#xF6;nnen sich als Artefakte oder Repr&#xE4;sentationen sowie als verinnerlichte Logiken der Lebensf&#xFC;hrung zeigen, eines Kanons von Werten und Glaubensgrunds&#xE4;tzen, die auf Grundlage individueller und kollektiver Praktiken von Frauen und M&#xE4;nnern in historisch und r&#xE4;umlich spezifischen Kontexten zirkulieren. Die vorliegende Arbeit versteht narcocultura als ein semiotisches System, das sich rund um das transnationale und f&#xFC;r den nordmexikanischen Grenzraum so typische Gesch&#xE4;ft des illegalen Drogenhandels gebildet hat und sich durch &#xE4;u&#xDF;erst diffuses Grenzen auszeichnet. So sind die Unterschiede zwischen der illegalen Welt des Drogenhandels und der Welt der Legalit&#xE4;t au&#xDF;erhalb dieses Gesch&#xE4;fts bestenfalls verschwommen, schlimmstenfalls fiktiv. Die narcocultura &#xFC;berschreitet territoriale Grenzen und ist damit ein transnationales kulturelles Ph&#xE4;nomen.Es galt, die Merkmale der lateinamerikanischen Kulturwissenschaften (Estudios Culturales) und der Kulturwissenschaften in Deutschland abzugrenzen, die Genealogien dieser beiden Perspektiven zu unterscheiden und ihre Unterschiede zu verstehen. Vor allem aber ging es darum, Gemeinsamkeiten zu finden. Die zentrale Gemeinsamkeit ist dabei der transdisziplin&#xE4;re Charakter dieser beiden akademischen Traditionen. Kulturwissenschaften werden dann als ein Raum der Artikulation zwischen den Disziplinen verstanden (Castro G&#xF3;mez, 2002), der nicht auf die Vereinigung, sondern auf die Pluralisierung von Bedeutungen, Einstellungen und Wahrnehmungsweisen abzielt (Bachmann-Medick, 2016). Transdisziplinarit&#xE4;t erm&#xF6;glicht es, die Komplexit&#xE4;t kultureller Ph&#xE4;nomene nachzuvollziehen und Br&#xFC;cken zwischen verschiedenen Wissensformen und Forschungspraktiken zu schlagen.Dabei ist die Perspektive des intersektionalen Feminismus f&#xFC;r die Untersuchung zentral. Ein Beitrag des Feminismus an die Kulturwissenschaften, der die vorliegende Forschung beeinflusst hat, besteht darin, &#x201C;Mann&#x201D; und &#x201C;Frau&#x201D; als gegebene und unver&#xE4;nderliche nat&#xFC;rliche Essenzen zu hinterfragen, ausgehend von folgender Pr&#xE4;misse: &#x201C;los signos "hombre" y "mujer" son construcciones discursivas que el lenguaje de la cultura proyecta e inscribe en el escenario de los cuerpos, disfrazando sus montajes de signos tras la falsa apariencia de que lo masculino y lo femenino son verdades naturales, ahist&#xF3;ricas&#x201D; (Richard, 2009, p. 77). Feministische Kulturwissenschaften gehen davon aus, dass diese Zeichen in einem System von Repr&#xE4;sentationen konstruiert werden, die Subjektivit&#xE4;ten in konkreten Kulturwelten artikulieren. Ihr Ziel ist es deshalb, die ideologischen Elemente, welche die Zeichen pr&#xE4;gen, und die Konflikte, die durch ihre Verwendung und Interpretation entstehen, in bedeutenden Praktiken zu enth&#xFC;llen. Durch das Zusammenwirken mit weiteren sozialen Kategorien erhalten diese Zeichen unterschiedliche Bedeutungen und Ausgestaltungen von Differenz. Feministische Intersektionalit&#xE4;t ist ein theoretischer und methodischer Diskurs, der die Erkenntnis vertritt, dass das Zeichen "Frau" keine absolute Kategorie ist und daher die vielf&#xE4;ltigen Lebenserfahrungen von Frauen nicht allein zu erkl&#xE4;ren vermag. Unterschiede werden nur dann lesbar, wenn sie als &#xDC;berschneidungen von verschiedenen sozialen Kategorien wie sozialer Status, Rasse, Alter und Behinderung untersucht werden. Soziale Unterschiede basieren auf der diskursiven Naturalisierung der verschiedenen Merkmale von sozialen Kategorien, die ihrerseits sich ver&#xE4;ndernde soziale Konstrukte darstellen. Das Ziel einer intersektionalen Perspektive ist es, das Zusammenwirken verschiedener sozialer Kategorien in Institutionen, Praktiken und Subjektivit&#xE4;ten zu identifizieren, um zu verstehen, wie sich Ungleichheiten im Laufe der Zeit materialisieren.Die f&#xFC;r diese Arbeit grundlegenden theoretischen Konzepte sind K&#xF6;rper und Subjektivit&#xE4;t. K&#xF6;rper wird hier verstanden als Ausdruck kultureller Codes und sozialer Hierarchien, als dynamische und wandelbare Grenze, an der das K&#xF6;rperliche, das Symbolische und das Soziale konvergieren. Subjekt und K&#xF6;rper konstituieren sich wechselseitig; der K&#xF6;rper ist das Medium, durch welches das Subjekt die soziale Umwelt erf&#xE4;hrt, und es sind diese Erfahrungen, die das Subjekt dazu bringen, gesellschaftliche Unterschiede, etwa aufgrund von Rasse, des sozialen oder biologischen Geschlechts oder der sozialen Stellung zu verk&#xF6;rpern.F&#xFC;r eine erleichterte Analyse konzentriert sich ein Teil der Arbeit auf den K&#xF6;rper, w&#xE4;hrend der andere den Aspekt der Subjektivit&#xE4;t in den Blick nimmt - stets im Bewusstsein der untrennbaren Beziehung, in welcher K&#xF6;rper und Subjektivit&#xE4;t zueinanderstehen. Um die Dimension des K&#xF6;rperlichen zu verstehen werden Repr&#xE4;sentation und gelebte Erfahrung in ein Spannungsverh&#xE4;ltnis gesetzt und anhand von audiovisuellem Material und ethnographischen Beobachtungen verglichen. Im Falle der Subjektivit&#xE4;t werden die fiktiven Lebensdarstellungen in Romanen, den in qualitativ erhobenen Interviews erz&#xE4;hlten Lebensgeschichten gegen&#xFC;bergestellt, um so die Br&#xFC;cke zwischen Repr&#xE4;sentation und gelebter Erfahrung zu schlagen.Damit ist die vorliegende Studie qualitativ und transdisziplin&#xE4;r angelegt, wobei verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz kamen. Ethnographische Feldforschung wurde auf beiden Seiten der Grenze in verschiedenen Bars und Clubs durchgef&#xFC;hrt, die bekannterma&#xDF;en von Menschen aus dem Umfeld der narcocultura oder von in den Drogenhandel involvierten Personen frequentiert werden. Bei den Begehungen vor Ort wurde das Erscheinungsbild der Frauen beobachtet: ihr Kleidungsstil, ihre Aufmachung, ihre Figur. Ebenso wurde ihr Verhalten untersucht: die Gestik und die Interaktionen mit anderen Personen vor Ort. Der soziale Raum der besuchten Lokalit&#xE4;ten wurde hinsichtlich der Etablierung von Regeln, Grenzen und Hierarchien zwischen M&#xE4;nnern und Frauen untersucht. Drei Musikvideos von narcocorridos wurden auf Grundlage der Videohermeneutik mit dem Ziel analysiert, die Darstellungen von Frauen anhand jener physischen und verhaltensspezifischen Kriterien zu untersuchen, die bereits vorgestellt wurden.Die methodische Kombination von Videoanalyse und ethnographischer Feldforschung erm&#xF6;glicht eine vertiefte Untersuchung jener Bedeutungen, die weiblicher K&#xF6;rperlichkeit zugeschrieben werden, sowie der Wirkung dieser Zuschreibungen auf die Lebenswelten und sozialen Beziehungen der Frauen.Es wurden f&#xFC;nf teilstrukturierte Interviews mit Frauen durchgef&#xFC;hrt, die sich selbst als Teil der narcocultura identifizierten. Einige von ihnen sympathisieren mit dem dazu geh&#xF6;renden Lebensstil, andere waren auf verschiedene Weise direkt in den illegalen Handel mit Drogen involviert. Die Interviews nahmen die Aussagen der Frauen &#xFC;ber ihre Lebenswirklichkeit als Ausgangspunkt f&#xFC;r eine Analyse von Diskursen &#xFC;ber Weiblichkeit, Frau-Sein und Alltag als Frau in der Welt des Drogenhandels. Au&#xDF;erdem habe ich zwei literarische Erz&#xE4;hlungen &#xFC;ber den Drogenhandel in Nordmexiko mit weiblichen Protagonistinnen verwendet. Ich habe die Konstruktion des weiblichen Subjekts in der Erz&#xE4;hlung untersucht sowie die in diesen Texten erkennbaren Diskurse &#xFC;ber Weiblichkeit und Frau-Sein in der Welt des narco.Auch an dieser Stelle werden Repr&#xE4;sentation und gelebte Erfahrung einander gegen&#xFC;bergestellt, um diskursive Gemeinsamkeiten in den literarischen Erz&#xE4;hlungen und den in den Interviews geschilderten Erfahrungen der Frauen herauszuarbeiten und so Erkl&#xE4;rungen f&#xFC;r Subjektivierungsprozesse in der mexikanischen narcocultura zu finden.Der erste Teil der Analyse stellt die ethnographische Beobachtung in einen Dialog mit dem audiovisuellen Material, um die &#xE4;sthetischen Anforderungen zu verstehen, welche die narcocultura an Frauen stellt, sowie die Art und Weise, wie Frauen ihre K&#xF6;rper ver&#xE4;ndern, um diesen Anforderungen gerecht zu werden.Die narcocultura zwingt den Frauen ein &#xE4;sthetisches Ideal auf, dessen Umsetzung exklusiven Zutritt und Einfluss in dieser Welt verspricht. Das Ideal verlangt einen spezifischen Typus von Physiognomie und Erscheinungsbild, dem die Frauen mithilfe verschiedener K&#xF6;rpereingriffe versuchen gerecht zu werden: Make-up, Haar-Styling und/oder plastische Chirurgie. Dazu kommt ein spezieller Modestil aus exklusiven globalen Marken, sowohl f&#xFC;r Kleidung als auch Accessoires, den es zu bedienen gilt. Je zuverl&#xE4;ssiger dieses Ideal erf&#xFC;llt wird, desto eher erm&#xF6;glicht das den Frauen den Zugang zu finanziellen und gesellschaftlichen Vorteilen, mit denen sie sich Handlungsspielr&#xE4;ume innerhalb des sozialen Milieus verschaffen. Der K&#xF6;rper ist das prim&#xE4;re Merkmal, um die Position zu bestimmen, welche die Frauen innerhalb der hierarchisierenden Systeme von Inklusion und Exklusion in den physischen und sozialen R&#xE4;umen der narcocultura besetzen. Diese Differenzierungsmechanismen reproduzieren die sozialen Ungleichheiten von Geschlecht, Alter, sozialer Herkunft und Rasse, welche sich auch in anderen Milieus der mexikanischen Gesellschaft beobachten lassen. Die ethnographische Beobachtung und audiovisuelle Analyse zeigen, dass die M&#xF6;glichkeiten, Weiblichkeit darzustellen, auf ein sehr enges Repertoire beschr&#xE4;nkt sind. Alicia Gaspar de Alba nennt dies das Drei-Maria-Syndrom (Three Maria Syndrome), welches sie definiert als &#x201C;the patriarchal social discourse of Chicano/Mexicano culture that constructs women&#x2019;s gender and sexuality according to three Biblical archetypes -virgins, mothers and whores-&#x201D; (Gaspar de Alba, 2014, Pos.3412). Diese Darstellungen von Weiblichkeit sind Allegorien jener Zw&#xE4;nge, welche die mexikanische Machista-Kultur den Frauen auferlegt und sie einem begrenzten Repertoire an Lebensentscheidungen und der sozialen Kontrolle ihrer Sexualit&#xE4;t unterwirft. Die Positionen, welche Frauen in der narcocultura besetzen ergeben sich aus ihrer k&#xF6;rperlichen Sch&#xF6;nheit: der K&#xF6;rper wird dadurch zu ihrer wichtigsten Referenz, um sich selbst als Subjekte zu definieren.Frauen sind Objekte der Begierde, deren Sch&#xF6;nheit ein weiteres Juwel in der Krone eines Drogenh&#xE4;ndlers darstellt, ein Besitztum unter vielen f&#xFC;r die Zurschaustellung seiner Macht. Gleichzeitig finden sich auch immer h&#xE4;ufiger Repr&#xE4;sentationen von Frauen als aktive Subjekte, die sich, gleich den M&#xE4;nnern, am Gesch&#xE4;ft und der Gewalt des Drogenhandels beteiligen. Diese Frauen versto&#xDF;en gegen das traditionelle mexikanische Ideal von Weiblichkeit, welches F&#xFC;gsamkeit, Sanftheit und Unterwerfung, Bescheidenheit und Gelassenheit vorschreibt. Frauen nehmen Qualit&#xE4;ten an, die als m&#xE4;nnlich gelten, indem sie die Aus&#xFC;bung von Gewalt und sexueller Aggression f&#xFC;r sich in Anspruch nehmen, um zu zeigen, dass auch sie sich in einer aggressiven und hypermaskulinen Welt bewegen k&#xF6;nnen. Und dennoch bleibt auch die mutige und k&#xE4;mpferische Frau innerhalb jener Grenzen gefangen, welche die patriarchale Kultur dem heterosexuellen Regime auferlegt und folgen damit den Vorschriften des Drei-Maria-Syndroms auf den Punkt genau. Dies zeigt sich in einem hierarchischen System, in welchem Frauen in der Narkokultur nach bestimmten Kriterien bewertet werden, in denen sich die Komponenten von Rasse, Geschlecht und Klasse &#xFC;berschneiden. Obwohl diese Unterscheidungsmerkmale sich auf sehr unterschiedliche Weise in den K&#xF6;rper einer Frau einschreiben, l&#xE4;sst sich durch die Analyse der Repr&#xE4;sentationen und ethnographischen Beobachtungen feststellen, dass die privilegiertesten Frauen diejenigen sind, die die Merkmale eines hohen &#xF6;konomische Status verk&#xF6;rpern: Sie sind hellh&#xE4;utig, attraktiv und achten auf eine diskrete Repr&#xE4;sentation von Weiblichkeit, die insbesondere im Ausdruck von Sexualit&#xE4;t Zur&#xFC;ckhaltung und Achtbarkeit singalisiert. Frauen, die diese Art von Weiblichkeit verk&#xF6;rpern, werden respektiert und als wertvoll angesehen. Ihr "Wert" ergibt sich aus der Einhaltung des Ehevertrags: Diese Repr&#xE4;sentation von Weiblichkeit ist typisch f&#xFC;r die Ehefrauen der Drogenh&#xE4;ndler. Am anderen Ende des Spektrums stehen die am wenigsten gesch&#xE4;tzten Frauen: Sie sind dunkelh&#xE4;utigere Frauen, die viele Zubeh&#xF6;r verwenden und deren &#xC4;sthetik mit der Arbeiterklasse assoziiert und als protzig gelesen wird. Das Verhalten dieser Frauen gilt als vulg&#xE4;r und freiz&#xFC;gig. Frauen, die diese Art von Weiblichkeit verk&#xF6;rpern, werden diskriminiert und objektiviert und ihr niedriger Status in der Welt des Drogenhandels macht sie besonders anf&#xE4;llig f&#xFC;r Gewalt.Diese Frauen, die Buchonas genannt werden, repr&#xE4;sentieren eine abgewertete Version von Weiblichkeit, die mit der von den traditionellen Geschlechternormen geforderten Anst&#xE4;ndigkeit und Diskretion kollidiert. Es sind Frauen, die als vulg&#xE4;r empfunden werden, weil ihre K&#xF6;rper Anzeichen von aggressiver Sexualit&#xE4;t aufweisen und sie Verhaltensweisen annehmen, die mit den sozialen Einschr&#xE4;nkungen brechen, die Frauen auferlegt werden. Ihre kulturellen Praktiken und ihr Konsum werden mit den arbeitenden und l&#xE4;ndlichen Klassen assoziiert. Bei den interviewten Frauen zeigt sich ein Spannungsfeld zwischen der attraktiven Freiheit, welche die Transgression des buchona-Seins verspricht, und dem Wunsch nach Achtbarkeit, welche jenen Frauen zukommt, die die Anforderungen der Gesellschaft erf&#xFC;llen. Eines der zentralen Dilemmata bei der k&#xF6;rperlichen Darstellung des buchona-Seins ist der Konflikt zwischen einer gesellschaftlich akzeptierten, aber restriktiven Weiblichkeit und einer Weiblichkeit, die Macht verleiht, aufgrund dessen aber gesellschaftlich sanktioniert wird.Aus diesem Grund lehnen die von mir interviewten Frauen die Bezeichnung der buchona ab und nennen sich stattdessen cabronas. Die Bezeichnung cabrona stellt in diesem spezifischen Kontext eine Umdeutung eines umgangssprachlichen spanischen Begriffs dar, der gemeinhin als Beleidigung verwendet wird. Die cabrona wird hier zu einer Schl&#xFC;sselfigur f&#xFC;r die Entstehung weiblicher Subjektivit&#xE4;t innerhalb der narcocultura. Die cabrona ist eine weibliche Trope, mit der global wirksame Erz&#xE4;hlungen &#xFC;ber das Frau-Sein als lokale Narrative von Weiblichkeit wirksam werden. In der Erfahrungswirklichkeit der Einzelschicksale bestimmt diese Trope die M&#xF6;glichkeit, mit Angst umzugehen und Handlungsoptionen in einem Raum auszuloten, der ansonsten strikt von M&#xE4;nnern beherrscht wird.&#xA0; Die cabrona steht f&#xFC;r Unabh&#xE4;ngigkeit und St&#xE4;rke, Autonomie und Handlungsmacht. Sie konfrontiert traditionelle Diskurse &#xFC;ber eine aufopfernde und f&#xFC;gsame Weiblichkeit und fordert dabei die m&#xE4;nnliche Dominanz heraus. Dies wirkt zugleich erm&#xE4;chtigend und stigmatisierend. Das Bild der cabrona hat auch Eingang in die Produktionen der Massenkultur gefunden. Es wird in Diskursen &#xFC;ber Geschlecht vermittelt, die durch Bilder in sozialen Netzwerken, in B&#xFC;chern und Workshops im Selbsthilfemarkt global zirkulieren und die Idee einer widerspenstigen Frau propagieren, die sich dem Konsum und Individualismus der kapitalistischen Kultur verschrieben hat. In diesen zeitgen&#xF6;ssischen kulturellen Darstellungen sind Frauen stark und unnachgiebig, w&#xE4;hrend aber weibliche K&#xF6;rpercodes und Praktiken beibehalten werden. Im Kontext der narcocultura sto&#xDF;en globale Diskurse &#xFC;ber eine starke und unabh&#xE4;ngige Frau, die &#xFC;ber &#xF6;konomische Macht und eine selbstbestimmte Sexualit&#xE4;t verf&#xFC;gt, auf die besonderen Bedingungen Nordmexikos. Extreme Gewalt, Machismo, ausgepr&#xE4;gte soziale Ungleichheiten und die Legitimationskrise des Staates adaptieren den globalen Diskurs &#xFC;ber das erm&#xE4;chtigte Frau-Sein an die lokalen Verh&#xE4;ltnisse und schaffen die Repr&#xE4;sentationen der buchona und cabrona. F&#xFC;r Frauen bedeutet die &#xDC;bernahme der Rolle einer cabrona eine Ressource, um sich einer gewaltt&#xE4;tigen Welt entgegenzustellen, in einem von M&#xE4;nnern dominierten Raum Handlungsstrategien zu entwerfen und selbst zur T&#xE4;terin zu werden.&#xA0; Cabrona zu sein kann als Reaktion auf den verletzlichen und verletzten weiblichen K&#xF6;rper gelesen werden, aber auch als M&#xF6;glichkeit, sich Gewalt anzueignen, um andere K&#xF6;rper zu verletzen. Es impliziert Unabh&#xE4;ngigkeit, sexuelle Freiheit und wirtschaftlichen Erfolg. Mit der Ablehnung der Bezeichnung buchona lehnen die Frauen das Stigma ab, das mit dem Wort verbunden ist und soziale Diskriminierung, Rassismus und Sexismus impliziert. Cabrona zu sein stellt einen Weg dar, um jene globale Weiblichkeit zu verk&#xF6;rpern, welche in den Massenmedien als Ideal konstruiert wird.&#xA0; Die vorliegende Arbeit untersucht die Zusammensetzung dieser weiblichen Trope auf der Grundlage der mit den Frauen gef&#xFC;hrten Interviews und der Darstellung von weiblichen Charakteren in Romanen &#xFC;ber den Drogenhandel, um auf diese Weise Br&#xFC;cken zwischen Fiktion und tats&#xE4;chlichen Lebensrealit&#xE4;ten zu schlagen. Dabei haben Sch&#xF6;nheit und die F&#xE4;higkeit zu verf&#xFC;hren einen ambivalenten Nutzen. Auf der einen Seite wird viel Zeit, Geld und Sorgfalt in das Erreichen eines &#xE4;sthetischen Ideals investiert, um jene Art von Frau zu werden, mit der sich ein Drogendealer r&#xFC;hmen kann. Das Objekt des Begehrens und Prunkst&#xFC;ck des m&#xE4;nnlichen Narco zu sein ist f&#xFC;r die Frauen eine Quelle des Stolzes. Gleichzeitig stehen sie durch die Annahme, sch&#xF6;n sein m&#xFC;ssen, um zu &#xFC;berleben, unter einem konstanten Druck. Sowohl die literarischen Texten als auch die Aussagen der Frauen in den Interviews weisen eine Naturalisierung der Frau als Prunkobjekt der M&#xE4;nner auf, und beschreiben die Wichtigkeit der weiblichen Sch&#xF6;nheit als Mittel f&#xFC;r Wertsch&#xE4;tzung und Anerkennung, und damit die prek&#xE4;re Lage des weiblichen Subjekts in der narcocultura: eine Subjektivit&#xE4;t, die in Diskursen &#xFC;ber ein unerreichbares weibliches Sch&#xF6;nheitsideal verankert ist, und in der Frau-Sein den Launen und Bed&#xFC;rfnissen der M&#xE4;nner angepasst wird.Gleichzeitig hat die weibliche Sch&#xF6;nheit auch eine andere Facette. Weibliche Subjektivit&#xE4;t in der narcocultura ist nicht nur das Ergebnis der Unterwerfung der Frauen unter Diskurse, die ihr Aussehen und Verhalten regeln. Sch&#xF6;nheit ist auch ein Instrument in den Diensten der Frauen, um an Geld und Macht zu kommen. Sch&#xF6;nheit und weibliche Verf&#xFC;hrungskunst werden zu Strategien der Gewinnung des Lebensunterhalts, und machen aus der Frau als unterworfenem Objekt ein unterwerfendes Subjekt. Damit er&#xF6;ffnen Sch&#xF6;nheit und Verf&#xFC;hrungskunst einen gewissen Handlungsspielraum, der aber von klaren Limitierungen abgesteckt ist. Auch wenn diese weiblichen Strategien das Kr&#xE4;fteverh&#xE4;ltnis hin zum weiblichen Subjekt verschieben, darf der spezifische Kontext einer gewaltt&#xE4;tigen und machistischen Welt nicht au&#xDF;er Acht gelassen werden, der die Aus&#xFC;bung dieser weiblichen Macht zu einem heiklen und riskanten Balanceakt macht. Frauen, die sich in der narcocultura bewegen, sind in eine Welt der Gewalt eingetaucht, in der die Unkenntnis oder Missachtung ihrer Regeln und Grenzen den Tod bedeuten kann. Der gewaltsame Tod stellt in dieser Welt eine sehr reale Konsequenz von Vergehen oder Fehlern dar.Dies f&#xFC;hrt zu der dritten Komponente des cabrona-Seins: dem Risiko. F&#xFC;r M&#xE4;nner und Frauen, die sich in der kulturellen Welt des Drogenhandels bewegen, stellen Risiken einen integralen Bestandteil des Lebens und der Konstitution von Subjektivit&#xE4;t dar. In den untersuchten Interviews und literarischen Erz&#xE4;hlungen gibt es viele Momente, in denen Frauen lebensbedrohliche Risikosituationen schildern und erleben. Die Erz&#xE4;hlungen zeigen, wie sie ihre Rolle in einer solchen Situation interpretieren und sich selbst in Bezug auf diese Erfahrungen sehen. In der Rolle einer cabrona ist das Risiko wichtig, es zeigt aber auch die Verletzlichkeit des weiblichen Status in einer gewaltt&#xE4;tigen Welt. Dabei bezeichnet das Eingehen von Risiken eine weitere M&#xF6;glichkeit, sich als starke Frau zu behaupten und von geschlechtsspezifischen Dispositionen wie Passivit&#xE4;t und F&#xFC;gsamkeit zu distanzieren. Um sich in einer von M&#xE4;nnern dominierten Welt bew&#xE4;hren zu k&#xF6;nnen spielt die Kontrolle der Emotionen eine wesentliche Rolle. Gleichzeitig ist das Erkennen von Angst und Verletzlichkeit paradoxerweise auch das, was den Frauen hilft, zu &#xFC;berleben.Hinter den Diskursen weiblicher St&#xE4;rke und Macht verbirgt sich die Zerbrechlichkeit des Lebens in einer Welt, in der Gewalt und Machismo Frauen an den Rand von Leben und Tod bringen. Im Falle der vorliegenden Untersuchung untersagt das institutionelle Vakuum zur Gew&#xE4;hrleistung der Sicherheit von Frauen in Mexiko den beschriebenen Frauen jeglichen Schutz, was wiederum die Bedeutung des Diskurses des cabrona-Seins als &#xDC;berlebensstrategie erkl&#xE4;rt. Cabrona zu sein stellt einen Weg dar, um sich in jener gewaltt&#xE4;tigen Welt zu behaupten, der sie angeh&#xF6;ren wollen, in der sie letztlich aber gefangen bleiben.</description></oembed>
