Roman Loimeier

„Individual Pieties“ und „Non-Pieties“

Dynamiken des religiösen Wandels in der islamischen Welt

Reihe:

„Individual Pieties“ und „Non-Pieties“
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Die Gesellschaften Nordafrikas und des Nahen Ostens werden häufig pauschal als „muslimische“ Gesellschaften und als Teil der „islamischen Welt“ beschrieben, die Religion („der Islam“) wird dabei als zentrales Merkmal dieser Gesellschaften beschrieben, die das Leben in diesen Gesellschaften grundlegend strukturiert. Der vorliegende Text bestreitet zwar nicht, dass die Religion in den Gesellschaften Nordafrikas und des Nahen Ostens immer noch eine wichtige Rolle in vielen Lebensbereichen spielt, er argumentiert aber auch, dass die Religion in der Analyse dieser Gesellschaften immer wieder überbetont wird und übersehen wird, dass die Gesellschaften dieses Raums auch ganz anders gelesen werden können. In vielen Gesellschaften der Region hat die Religion in der Tat in den letzten Jahrzehnten (je nach Region und Milieu) zum Teil stark an gesellschaftlichem (wenn auch nicht immer an politischem) Einfluss verloren und beträchtliche Bevölkerungsgruppen verstehen sich heute als religionsmüde, als indifferent, was das Religiöse angeht, oder sogar als religionslos. Der vorliegende Text beschäftigt sich daher insbesondere mit neueren Entwicklungen in der Region, in welchen sich der Bedeutungsverlust des Religiösen in bestimmten Lebensbereichen deutlich manifestiert.