Julia Mohr
Reflexive Kompetenzentwicklung als Führungsaufgabe
Wie die Subjektivierung von Arbeit Führung verändert
Reihe: Schriften aus der Fakultät Humanwissenschaften der Otto-Friedrich-Universität BambergDie Arbeit untersucht die Subjektivierung von Arbeit und deren Einfluss auf Führung im Unternehmen. Subjektivierung bedeutet, dass Organisationen verstärkt auf die individuellen Fähigkeiten, Motive und Wissensbestände der Mitarbeitenden zugreifen. Obwohl Führungskräfte hierbei eine zentrale Rolle spielen, ist deren Bedeutung bislang kaum erforscht. Die Dissertation schließt diese Lücke, indem sie analysiert, wie Unternehmen subjektivierendes Arbeitshandeln einfordern und fördern und wie Mitarbeitende diesen Anspruch bewältigen. Im Fokus steht die entwicklungsbezogene Dimension der Subjektivierung. Die Untersuchung basiert auf einer qualitativ-explorativen Fallstudie mit zwei Fällen: der betrieblichen Perspektive eines Großkonzerns (Ohm AG) und der Mitarbeitendenperspektive einer IT-Abteilung (Mail AG).
Die Ergebnisse zeigen, dass Führungskräfte nicht nur maßgeblich die Rahmenbedingungen für subjektivierendes Handeln, sondern ebenso reflexive Kompetenzentwicklung schaffen. Während Unternehmen formalisierte Prozesse zur Kompetenzentwicklung implementieren, erfolgt die Entwicklung bei Mitarbeitenden überwiegend erfahrungsbasiert und selbstgesteuert. Die Studie führt den Begriff der „Führungsaufgabe der reflexiven Kompetenzentwicklung“ ein und weist auf deren pädagogische Dimension hin.
Für die Praxis ergeben sich neue Anforderungen an die Führungskräfteentwicklung, die aktuell kaum berücksichtigt werden. Theoretisch erweitert die Arbeit das Verständnis von Führung im Kontext subjektivierter Arbeit und eröffnet Perspektiven für die Integration pädagogischer Ansätze in die Führungskräfteentwicklung und in das Führungshandeln selbst.
